Alte Hunde – wie gestaltet man seinem Hundesenior einen angenehmen Lebensabend?


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Ein alter Hund braucht oftmals besondere Zuwendung und Pflege.

Wenn nicht gar Krankheit oder Unfall etwas anderes vorbestimmen, so werden wir alle, egal ob zwei- oder vierbeinig, irgendwann alt und unser aller Leben ändert sich, ehe es zu Ende geht. Ein – zugegeben – trauriges Kapitel, aber ein Schicksal, dass jeden von uns irgendwann ereilt. Gut ist es dann, wenn alle Beteiligten darauf vorbereitet sind und die letzten Jahre, Monate, Tage oder Momente so schön und angenehm wie möglich gestaltet werden.
In der Regel war der Hund für uns jahrelang ein treuer Begleiter, der unser Leben mitgestaltete: Er sorgte für Bewegung in der Natur, ließ uns mit ihm spielen, verlangte Zuwendung und gab uns jede Menge Liebe zurück. Er verteidigte uns, sorgte dafür, dass wir andere Leute und Hunde kennenlernten und wachte aufmerksam über sein Rudel und sein Haus. Im Laufe der Jahre ist aus dem aktiven, verspielten Vierbeiner ein meist in sich ruhender, viel schlafender Hund geworden. Mensch und Tier genießen nicht selten diese Ruhe und Gelassenheit, diese Vertrautheit.
Aber das Alter hat – wie auch bei uns Menschen – nicht nur Schönes: Gehör und Sehkraft lassen nach, die Gelenke tun weh, die Blase muss schneller entleert werden und überhaupt lassen Reaktionsvermögen und Konzentration nach. Das bedeutet, dass die Bewegungsfreiheiten – und somit die täglichen gemeinsamen Spaziergänge – stark eingeschränkt sein können, und auch die „Stubenreinheit“ funktioniert nicht immer mehr. Hinzu kommen vielleicht eine beginnende Demenz und die Frage: Wie kann und muss ich mich als Hundebesitzer in meinem Leben darauf einstellen?

Auch das Hundealter ist relativ – der Hund ist so alt, wie er sich fühlt…

Wann ist ein Hund überhaupt alt? Eine alte Weisheit besagt: „Man ist so alt wie man sich fühlt.“ Auf den Hund übertragen könnte das bedeuten: „Hund ist so alt, wie er sich fühlt oder wie es sein Mensch empfindet.“
Ganz so einfach wie bei uns Menschen ist das alles aber nicht, denn erstens kann man keine Hundejahre mit Menschenjahren vergleichen und zweitens kann uns der Vierbeiner nur bedingt signalisieren, wie er sich fühlt.

Ähnlich wie bei uns Menschen ist auch die durchschnittliche Lebenserwartung im Laufe der letzten Jahrzehnte dank der guten medizinischen Versorgung sowie der Kenntnis über Ernährung und Bewegung gestiegen. Hinzu kommt, dass die wenigsten Hunde arbeiten müssen, also kaum noch Nutztiere sind, und das Tier damit weniger körperlicher Arbeit und permanentem Stress ausgesetzt ist. Wie bei uns sorgen aber auch Übergewicht und Bewegungsmangel als „Zivilisationsproblem“ dafür, dass sich die Lebenszeit verkürzen kann.
Meine Großeltern gaben mir die Faustregel „Ein Hundejahr entspricht 7 Menschenjahre“ an die Hand. Das stimmt so nicht, denn beim Hundealter müssen Rasse und vor allem Größe berücksichtigt werden.
So kann man davon ausgehen, dass kleinere Hunde älter werden als große, und Mischlingshunde ein höheres Alter erreichen als reinrassige. Die Genetik ist hierbei nicht zu unterschätzen. Geht man von statistischen Mittelwerten aus, so bedeutet das:

  • Große Hunde von mehr als 40 kg werden durchschnittlich zwischen 9 bis 10 Jahre alt.
  • Mittelgroße Hunde um die 20-25 kg erreichen durchschnittlich 11-13 Jahre.
  • Kleine Hunde von bis zu 15 kg werden im Schnitt 14 Jahre alt und mehr.

Allerdings sieht es bei bestimmten Hunderassen extrem anders aus. Eine deutsche Dogge etwa wird meist nur 6 bis 8 Jahre alt. Und ein Chihuahua kann schon mal 18 Jahre lang leben.

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Auch ein alter Hund braucht Beschäftigung und Bewegung

Auch alten Hunden tut ein Mindestmaß an Beschäftigung und Bewegung gut.

Wer rastet, der rostet – auch alte Hunde sollten ein Mindestmaß an Bewegung und Auslauf bekommen.

Viele Umstände und Symptome eines alternden Hundes sind mit dem Altern eines Menschen vergleichbar. So lassen auch hier Bewegungsmangel sowie geistige Unterforderung den Alterungsprozess schneller voranschreiten.
Generell kann man jedoch sagen, dass ein gut gehaltener, gesunder Hund im Alter in der Regel ruhiger wird: Er wirkt gelassener, benötigt weniger Beschäftigung und schläft mehr. Das ist jedoch nicht unbedingt damit gleichzusetzen, dass er nicht mehr viel laufen und rennen KANN. Nur MUSS er es nicht mehr so viel tun. Die Gefahr dabei besteht jedoch, dass Herrchen und Frauchen dieses schnell als „der Hund braucht nicht mehr so viel Bewegung, weil er nicht kann, weil er alt ist“ interpretieren, was wiederum mit erhöhter Trägheit einhergeht und Reduzierung der Muskelmasse sowie Entstehung vieler Fettpölsterchen – übrigens beim Tier wie auch bei seinem Besitzer – zur Folge hat. Das ist ein Teufelskreis und führt zu Krankheiten sowie zu vorzeitiger Alterung.
Alte Hunde bekommen ebenfalls graue Haare und verlieren Zähne. Auch nehmen Gehör, Seh- und Riechvermögen sowie Konzentration ab. Hin und wieder ändert sich zudem deren Geschmackssinn, was dazu führt, dass der ältere Hund weniger frisst beziehungsweise nur noch bestimmtes Futter annimmt.
Auch das Umstellen auf neue Situationen – etwa eine Ortsveränderung oder ein Wechsel der Bezugsperson – macht älteren Hunden wesentlich mehr Probleme als jungen.

Hundekrankheiten im Alter


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Grauer Star bei Hunden ist wie beim Menschen im Alter weit verbreitet.

Durch Grauen Star erblinden viele Hunde im Alter.

Genau wie bei uns, muss Alt-Werden nicht unbedingt gleichbedeutend mit Krank-Sein sein. Allerdings sind ältere Hunde anfälliger für Krankheiten und Verschleißerscheinungen.
Bestimmte Erkrankungen, wie beispielsweise Arthrose oder Grauer Star, gehören auch beim Hund zu typischen Alterserscheinungen. Wichtig dabei ist, die Krankheit rechtzeitig zu erkennen, um schwerwiegenden Folgen entgegenzuwirken. Regelmäßige Tierarztbesuche – etwa zweimal pro Jahr – sind dabei unerlässlich. Neben den normalen Routineuntersuchungen wird der Veterinär auch für entsprechende Impfungen und Parasiten- Prophylaxe sorgen sowie bei Bedarf Ohren reinigen, Zahnstein entfernen und Krallen schneiden.
Zu den häufigsten Erkrankungen bei Senioren – bei Menschen und Hund – gehören solche des Bewegungsapparates, die auf Verschleißerscheinungen zurückzuführen sind. Vor allem größere Tiere – wie Schäferhunde – leiden nicht selten unter Hüftdysplasie, und Dackel haben häufig Rückenprobleme. Ferner kommt es im Alter vermehrt zu Gelenkentzündung oder Arthrose.
Einigen der Wehwehchen kann man entgegenwirken, sie verringern oder aber sogar vorbeugende Maßnahmen ergreifen. Bei rechtzeitigem Erkennen helfen fachmännische Behandlungen oder in einigen Fällen Operationen. Neben medikamentöser Behandlung helfen manchmal auch Alternativen wie Akupunktur oder Schwimmtherapie. Als Hundehalter kann man auch einiges dafür tun, dass die Schmerzen gering gehalten werden oder die Krankheit gar nicht erst zum Tragen kommt: Treppen oder der hohe Einstieg ins Auto sollten vermieden werden und auch übermäßiger Hundesport sowie Joggen sind nichts für ältere Hunde.

Wenn Geruchssinn, Sehvermögen und das Gehör beim Hund nachlassen

Bei nahezu jedem alten Hund lassen mit zunehmendem Alter Gehör und Sehvermögen nach. Bei einigen endet es in Blind- und Taubheit. Der Hund kommt in der Regel gut damit zurecht, solange Geruchssinn und geistige Fähigkeit noch funktionieren. Dennoch kann man ihm das Leben erleichtern, wenn man einige Dinge beachtet oder Veränderungen vornimmt:

  • Regelmäßigkeiten und gleichbleibende Bezugspersonen geben Sicherheit, Orientierungsmöglichkeiten und Halt.
  • Der Hund sollte bei Spaziergängen an der Leine geführt werden, um ihn rechtzeitig vor Gefahren zu bewahren, die er selber nicht mehr wahrnehmen kann.
  • Wer einen Zweithund besitzt, kann sich ein wenig entspannen, da dieser in der Regel für den blinden oder tauben Senior „mitdenkt“. Das heißt, der alte, gebrechliche Hund orientiert sich an seinem „Nebenhund“.
  • Gefahrenquellen in Haus und Garten sollten – wie bei Kleinkindern – abgesichert werden. Dazu gehören etwa Treppen oder Gartenteiche.
  • Das Umstellen von Möbeln irritiert sehbehinderte und blinde Hunde. Also so wenig bauliche Veränderungen wie möglich vornehmen!
  • Stets gleiche Spazierwege geben dem Hund ebensolche Sicherheit wie Futter- und Wassernäpfe nebst Körbchen, die immer an der gleichen Stelle stehen.
  • Mit sehbehinderten und blinden Vierbeinern sollte man vermehrt reden, damit diese um die Anwesenheit seines „Rudelführers“ wissen. Auch gesteigerter Körperkontakt hilft.
  • Hörbehinderte oder taube Hunde sollten laute sowie deutliche Anweisungen erhalten. Pfeifen und andere akustische Signale können unterstützend wirken.
  • Was bei jedem Hund wichtig ist, ist bei schwerhörigen oder tauben sowie sehbehinderten und blinden Hunden noch wesentlich wichtiger: Konsequenz.

Demenz bei Hunden

Das, wovor wir uns im Alter häufig am meisten fürchten, sind die so genannte Altersdemenz oder die Alzheimer Erkrankung. Man ist nicht mehr in der Lage sich zu orientieren, man erinnert sich nicht mehr und erkennt letztendlich die geliebten Menschen nicht mehr. Aber wie sieht das beim Hund aus? Können Hunde dement werden? Können sie Alzheimer bekommen? – Ja! Das CDS – das Cognitive Dysfunktionssyndrom – ist vergleichbar mit der Demenz bei uns Menschen.
Die ersten Anzeichen sind Desorientierung, motorische Fehlfunktionen und/oder offensichtliche Verwirrung. Ganz plötzlich kann der Hund in Angst versetzt werden, mitten in der Bewegung innehalten oder – wie ich es selbst einmal bei einem unserer nun leider verstorbenen Hunde erlebt habe – mit dem Kopf zur Wand stehen bleiben und sich nicht mehr von alleine von dort fortbewegen. Schlimmstenfalls erkennt der Hund seinen eigenen Besitzer nicht mehr und/oder reagiert aggressiv. Da das alles allerdings auch Anzeichen von anderen Erkrankungen sein können, ist es wichtig, dass man einen Tierarzt aufsucht, der neurologische Untersuchungen durchführt.
Leider ist auch CDS nicht heilbar, man kann die Fortschreitung dieser Krankheit jedoch mit Medikamenten sowie durch Ernährungsumstellung verlangsamen.

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Wenn das Ende naht…

Wer einen Hund mit Cognitivem Dysfunktionssyndrom hat, der muss wissen, dass er als Hundebesitzer gefordert ist: körperlich und nervlich. Nicht nur, dass der Hund unter ständiger Beobachtung sein muss, er kann häufig auch noch weder Harn noch Kot unter Kontrolle halten und wird nicht selten zum 24-Stunden-Pflegefall. Anders als beim Menschen ist man nun gefragt, ob das Leben so – für beide Parteien – noch lebenswert ist.
Auch andere Krankheiten machen beider Leben nicht immer einfach. Dabei kann man in vielen Fällen definitiv nicht sagen, wie sehr oder ob überhaupt der Hund leidet.
Die Entscheidung, ob ein leidender Hund eingeschläfert wird, sollte ganz alleine der Hundehalter treffen. Der Tierarzt kann dabei ratend zur Seite stehen.

Viele meinen, Einschläfern sei egoistisch… Aber wer jemals einen Hund besessen hat, weiß, dass man für seinen Vierbeiner alles tun würde. Und da das so ist, muss man auch loslassen können… loslassen, um den Hund von seinem Leiden zu erlösen.
Ideal ist jedoch, wenn der Hund an Altersschwäche stirbt, also einfach friedlich einschläft. Doch leider passiert das in den seltensten Fällen.
Vielleicht hilft die Überlegung: Der Tod ist nicht für denjenigen schlimm, den er ereilt, sondern für die Hinterbliebenen…

Autor: Esther Vergenz