Kleine Kläffer – Klischee oder Realität?


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Hunde richtig erziehenEin gängiges Klischee unter Hundehaltern ist die Annahme, dass vor allem kleine Hunde ganz besonders gerne bellen – oft werden sie daher auch schlicht als Kläffer bezeichnet. Das Vorurteil stimmt so natürlich nicht, denn auch kleine Hunde können über ein ruhiges Wesen verfügen und nicht zuletzt ist es die Hundeerziehung, die diesbezüglich sehr viel ausmacht. Wer dem kläffenden Hund auf die Spur kommen möchte, der sollte sich zunächst fragen, warum Hunde überhaupt bellen – denn der Wolf als natürlicher Vorfahre des Hundes tut dies nicht.

Bellende Hunde

Instinkt HundSo gut wie jeder Hund bellt, wenngleich es beim einen mehr und beim anderen weniger ist. So heißt es beispielsweise, dass der Dackel ein besonders lautes Organ hat und dieses auch gern nutzt, während der Afghane eher ein stillerer Vertreter sein soll. Wer wie oft und wann bellt, hängt jedoch nicht nur von der angeborenen Bellfreudigkeit und der Rasse ab, sondern ebenso von der Umwelt. Oft ist Bellen situationsbedingt oder hängt vom Partner ab, aber auch der soziale Rang des Hundes entscheidet darüber, wie viel er in der Rangordnung „zu sagen hat“.

Gebellt wird dann, wenn der Hund seinem Partner etwas mitteilen möchte. Glaubt man amerikanischen Forschern, so geben Hunde dabei nur „widersprüchlichen Wortsalat“ von sich – sie bellen demnach ein ständiges „Komm her – Geh weg – Komm her – Geh weg“. Für den Menschen völlig unverständlich, in der Hundewelt aber durchaus ein sinnvoller Befehl. Einerseits macht der Hund seinen Familienmitgliedern so verständlich, dass sie herkommen sollen, andererseits gibt er fremden Hunden zu verstehen, dass sie nun besser verschwinden. Dies passiert beispielsweise, wenn ein rudelfremder Hund sich einer Hundefamilie nähert und der Rudelführer instinktiv auf Verteidigungsposition geht.
Neben dem Bellen nutzen Hunde außerdem noch viele weitere Formen der Kommunikation, die meist noch sehr viel besser funktionieren als das bloße Bellen. Hierbei kommen vor allem die Sinne zum Einsatz:

  • Körperkontakt
  • Bestimmte Gerüche mit unmissverständlicher Bedeutung
  • Sichtbare Gesten
  • Hörbare Signale
Kommunikation unter Hunden

Beim „Gespräch“ miteinander kommen Hunde in der Regel auch ohne Gebell aus.

Warum Hunde bellen und Wölfe nicht, ist übrigens bis heute noch nicht völlig eindeutig geklärt. Zwar können Wölfe theoretisch durchaus auch bellen, dabei handelt es sich jedoch um einen sehr kurzen und leisen Laut – ganz im Gegensatz zum Haushund, der langgezogen, anhaltend und deutlich beeindruckender bellen kann. Angenommen wird aber, dass das Bellen im Zuge der Jahrtausende andauernden Zuchtselektion entstanden ist, weil die damaligen Menschen darauf Wert legten, dass ihre Hunde ein großes Stimmenvolumen hatten. Schließlich waren sie damals weniger Spielkameraden als vielmehr Schutzfunktion für Haus und Hof. Wölfe verfügen dafür aber über eine sehr viel komplexere Mimik und Gestik. Das tun Hunde zwar auch, sie können dies jedoch nicht so ausgeprägt wie der Wolf zeigen.

Ganz wichtig: Bellen ist keine echte Kommunikation

Der Mensch neigt dazu, seinen Hund nur allzu gern zu vermenschlichen. Bellt der Hund, so betrachten viele Halter dies als seine ganz normale Art der Kommunikation – als sei das Bellen die Stimme des Hundes und es demnach ganz normal, dass dieser ab und an bellt. Tatsächlich ist dem aber nicht so, denn Bellen vermittelt lediglich klare Signale, sei es als Warnung oder Drohung anderen gegenüber. Zudem spüren Hunde schlichtweg, dass sie Beachtung bekommen, wenn sie anfangen zu bellen – oder wie im Fall kleinerer Hunde kläffen. Hat der Hund dieses Muster erst einmal verinnerlicht und bestätigt der Mensch dies, indem er dem Bellen immer wieder Beachtung schenkt, so wird das Bellen schnell zur Routine und zu einem Teufelskreis, aus dem Hund und Halter nur schwer wieder herauskommen.
Zwar lässt sich das Kläffen bzw. Bellen nicht pauschal verbieten, dennoch zeigt sich, dass gut erzogene Hunde in der Regel deutlich ruhiger sind. Etwa dadurch, dass sie gelernt haben, mit ihrer Angst umzugehen und nicht jedes Mal in Panik zu geraten, wenn sie in eine unbekannte Situation geraten.

Es ist also weniger das Bellen selbst, sondern vielmehr die Erziehung, die diesbezüglich den Ausschlag gibt. Denn hat das Herrchen alles im Griff, ist dem Hund ein gutes Vorbild und Rudelführer, wird er genügend beschäftigt und artgerecht erzogen, so gibt es im Grunde kaum noch Probleme, die ein übermäßiges Bellen verursachen könnten. In Kurzform heißt das: Hunde dürfen bellen, denn so geben sie wichtige Signale von sich, doch das panische Gekläffe, dass einigen Exemplaren zu eigen ist, lässt sich mit einer guten Erziehung vermeiden.
Bei kleinen Hunden kommt außerdem noch die Tatsache hinzu, dass sie gerne verwöhnt werden und ihr Herrchen oder Frauchen sich mitunter sogar regelrecht unterordnet. Insbesondere die so genannten Handtaschenhunde, die nicht einmal mehr selber laufen müssen und ein Großteil des Tages einfach von Ihrem Halter durch die Gegend getragen werden, genießen nur selten eine echte Erziehung und wissen es demnach schlichtweg einfach nicht besser.

Der kleine Rassehund


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kleine Hunderassen

Viele kleine Rassen leiden unter ihren extremen Zuchtmerkmalen.

Übrigens sind es gerade kleine Rassehunde, die heutzutage zwar in Mode sein mögen, jedoch gerade aufgrund ihrer extremen Züchtungen leiden. Dies mag sicherlich nicht für jedes Exemplar gelten, jedoch zeigt sich beispielsweise beim allseits beliebten Mops, wie schlecht dieser tatsächlich im Alltag zurechtkommt. Die platte Nase und die schmalen Nasenlöcher sowie stark ein verkleinerter Rachenraum sorgen dafür, dass die Tiere regelmäßig unter Atemnot leiden, sobald sie körperlich angestrengt oder aufgeregt sind oder ihre Körpertemperatur bei warmem Wetter ansteigt. Auch der Chihuahua – der wohl bekannteste Handtaschenhund – muss mit züchtungsbedingten Schäden leben. Vor allem sind es Knochendefekte am Schädel und Probleme mit dem Zähnen, da diese aus Platzmangel einfach nicht mehr in den Kiefer passen. Fakt ist, dass immer mehr ins Extreme gezüchtet wird, dies gilt für viele Rassen, wie auch der SWR in einem umfangreichen Beitrag berichtet. Die Englische Bulldogge ist beispielsweise so überzüchtet, dass sie selbst bei milden Temperaturen Atemprobleme bekommet, der Basset mit seinem extralangen Rücken leidet häufig unter Bandscheibenvorfällen und haben zudem so tiefe Falten, dass sich in ihnen Schmutz und Parasiten sammeln, welche dafür sorgen, dass die Haut ständig entzündet ist. Diese Entwicklung macht natürlich auch bei großen Hunderassen nicht halt, so haben beispielsweise der Deutsche Schäferhund mit dem abfallenden Rücken oder auch der Bernhardiner häufig schmerzhafte Hüftgelenksschäden und lahmen deshalb. Gerade deshalb ist es so wichtig, dass Hundehalter sich im Vorfeld über ihre künftigen Lieblinge gut informieren. Ebenso sollten Sie sich Gedanken machen, ob sie eine solche Qualzucht – denn nichts anderes sind solche Überzüchtungen, bei denen die Tiere gehäuft unter gesundheitlichen Schäden leiden – unterstützen wollen. Wer stattdessen ganz normalen Züchtungen den Vortritt lassen möchte, der findet aber auch so problemlos eine ganze Reihe an charismatischen und interessanten kleinen Hunderassen: unter anderem beispielsweise der Jack Russel Terrier, der Schipperke oder die vielen facettenreichen Mischlinge.
Generell ist die Wahl eines kleinen Hundes aber durchaus sinnvoll und hält zudem einige Vorteile bereit. Laut ZooRoyal haben die Tiere beispielsweise ein durchschnittlich längeres Leben als ihre großen Artgenossen, sind günstiger in der Verpflegung und können auch in kleineren Räumlichkeiten gehalten werden. Zudem werden sie eher in der Bevölkerung akzeptiert und Menschen entwickeln nur selten Ängste gegen sie, so wie es bei großen Hunden oft der Fall ist.

Mein Hund bellt – wie genau kann ich dem Hund das Bellen abgewöhnen?

Wie bereits erwähnt, liegt das übermäßige Bellen also hauptsächlich an einer unzureichenden Erziehung, aus diesem Grund lässt es sich auch nicht von einem Tag auf den anderen abstellen. Zunächst gilt es dafür herauszufinden, welchen genauen Hintergrund das Bellen hat – dies lässt sich durch intensives Beobachten schnell in Erfahrung bringen und wird den meisten Haltern, die mit einem solchen Problem schon länger zu kämpfen haben, vermutlich bereits bekannt sein.

  • Langeweile – Ein Hund, der sich langweilt und daher zum Kläffer wird, braucht Abwechslung und Bewegung. Es kann bereits helfen, mit dem Hund länger rauszugehen oder eine zusätzliche Runde am Tag einzubauen. Bei Hunden mit besonders viel Bewegungsdrang kann auch das Fahrrad zu Hilfe genommen werden, um den Vierbeiner so richtig auszupowern.
  • Wachsamkeit – Viele Hunde neigen dazu, bei jedem Geräusch im Treppenhaus zu bellen, denn sie wollen ihr Revier verteidigen. Hier kann es Sinn machen, dem Hund den direkten Weg bis zur Haustür zu versperren, sodass er sich nur im Wohnbereich aufhält und den Trubel vor der Wohnung am besten gar nicht mitbekommt.
  • Angst und Unsicherheit – Ein unsicherer Hund ist leicht zu erschrecken und bellt meist bereits, wenn sich jemand Unbekanntes nähert oder ein Mensch etwas Ungewöhnliches tut (bspw. Joggen). Hier ist es wichtig, dass der Hund in seinem Verhalten nicht bekräftigt wird. Wird also während des Gassi-Gehens gebellt, so wird dies erst einmal ignoriert, denn Reaktionen könnten ihn in seinem Verhalten positiv bestärken. Weiterhin ist es hilfreich, die Beziehung zwischen Hund und Halter noch stärker zu festigen, damit der Hund sich in Anwesenheit seines Herrchens sicher fühlt – dafür eignen sich beispielsweise die Hundeschule, Agility oder Gehorsamkeitstraining.

Fazit – sind kleine Hunde also große Kläffer?

Sicherlich gibt es Rassen, die mehr oder eben weniger bellen und dabei machen auch kleinere Hunde keine Ausnahmen. Das liegt beispielsweise daran, dass sie einen starken Jagdinstinkt haben oder sehr territorial sind. Eigentlich kann eine solche Aussage aber nicht pauschalisiert werden, denn bei schlechter Erziehung kann im Grunde jeder Hund zum Kläffer werden. Umso wichtiger ist es, dass ein solches Problem früh in den Griff bekommen wird, damit es sich am besten gar nicht erst in den Alltag einschleichen kann. Am einfachsten funktioniert dies im Welpenalter, aber auch bei ausgewachsenen Hunde kann etwas Training schnell für Erfolge sorgen.