Hundebeauftragter der Gemeinde Binningen
STEFAN K. WITTLIN
Kynologe-Hundetherapeut-Tierpsychologe-Buchautor
CH-4102-Binningen-BL
0041 61 421 03 92

Kommunikation in der Hundeerziehung

Verbale Kommunikation mit dem Hund


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wittlin_fotoWorte! Sie sagen dem Hund, was er tun muss. Als Beispiel: –Sitz– Zum gesprochenen Wort Sitz folgt die sanfte Aufforderung per Hand (Gestik), dass sich der Hund setzen soll. Nach mehrmaligem üben begreift das Tier, dass mit dem „Wortlaut“-Sitz- eben gemeint/verlangt wird, dass er sich hinsetzt. Ich muss betonen, dass der Hund das Wort nicht „versteht“, sondern er zählt eben eins und eins zusammen und das ergibt eben…., dass er sich hinsetzt. Höre ich den Laut -Sitz-, dann setze ich mich hin! Dies, weil der Halter nach gelungener Übung mich ja lobt! Und dieses Lob erfolgt ja auch wieder in verbaler und/oder nonverbaler Form. Also auch hier, man kann in einem für das Tier angenehmen Form/Lautstärke/Art sagen: „Das ist ein braver Hund, Bravo, guter Hund“! Oder man kann zusätzlich zum gesprochenen Wort noch „die Hände verwerfen“, um so seine Freude auszudrücken. Das freut ihn und er wird sich in Zukunft gerne hinsetzen wenn’s verlangt wird. Er kann genau unterscheiden, ob etwas nun nett gemeint ist oder jemand mit ihm, mit harten-lauten Worten schimpft. Aber nochmals: Der Hund versteht nicht das Wort, wie wir eines verstehen! Er hat jedoch genügend Intelligenz um ca. bis 200 Worte(!!) zu unterscheiden und richtig deuten. Logischerweise ist da nicht jeder Hund genau gleich intelligent oder genau gleich clever. Aber auch hier sei der Vergleich zum Kind erlaubt: Nicht jedes Kind ist nun mal gleich clever wie das andere! Ist wohl auch gut so!

Nonverbale Kommunikation mit dem Hund

Gesten! Auch hier kann der Hund schon wärend der Phase der Welpenerziehung zu einem wahren Meister heranwachsen. Er kann unzählige Gesten/Zeichen erkennen und richtig deuten oder dann in die Tat umsetzen. Ich empfehle immer, dass zu jedem gesprochenen Befehl auch gleich ein Hand- Zeichen mitbenutzt wird. So lernt der Hund gleich doppelt. Er kann also unabhängig von einander unterscheiden, was nun das Wort oder eben auch nur die Geste/das Zeichen heißt/bedeutet. Als Beispiel: Zeigen Sie dem Hund zum Wort –Platz- die flache Hand, die nach unten zeigt. Dazu folgt das Wort -Platz- und der Hund weiß nach der Übung, dass er entweder auf das Wort oder das Zeichen -Platz- machen soll/muss. (Platz = sich hinlegen & Sitz = sich hinsetzen) Sie werden sich vielleicht fragen, für was denn eine solche Zeichensprache überhaupt nötig ist? Es kann durchaus mal vorkommen, dass Sie aus welchem Grund auch immer nicht laut Reden können/dürfen. Da hilft es Ihnen ungemein, wenn der Hund eben auch „nur“ auf Zeichen reagiert. Oder Sie sind auf der einen Seite der Strasse und der Vierbeiner auf der anderen. Schon mal schlecht! Und nun wollen/müssen Sie ihm klar machen, um jeden Preis stehen zu bleiben. Können Sie mit zwei „Kommunikations- Varianten“ hantieren… sind Sie im Vorteil und der Hund bleibt bestimmt stehen. Sie sehen also, dass der Hund sehr vieles in die Tat umsetzen kann. Und genau so verhält es sich eben auch bei anderen Tierarten. Ich durfte aus erster Hand, von Herrn Knie Franco Sen. persönlich erfahren, dass in der Elefanten- Schule mit den fast identischen „Lehrmitteln“ gearbeitet/gelehrt wird! Hier, wie bei den Löwen, Bären etc. wird mit Zeichen und eben Worten gearbeitet. Die Sprache und der „Tonfall“ ist auch bei diesen Tieren von sehr großer Wichtigkeit! Wobei wir nun eben beim „Tonfall“ wären.

Tonfall, Betonung, Klang

Lautstärke! Lassen Sie mich dazu zum wiederholten Male die Kindererziehung zu Rate ziehen:

Sie werden sich bestimmt daran erinnern, als Ihre Mutter Sie zum Essen rief. Sie waren gerade am Spielen im Kinderzimmer und die Mutter rief mit sanfter, eben mütterlicher Stimmlage aus der fernen Küche: „Das Essen ist fertig! Kommt bitte zu Tisch“. Und Sie? Sie dachten doch im Innern, dass das Essen und die Mutter doch warten können. Weitere Minuten verstrichen…. bis es wieder aus Richtung Küche tönte: „Kinder! Das Essen steht auf dem Tisch!!“ Dies nun in einem etwas schärferen Ton… aber Sie, dachten immer noch, dass der zu bauende Lego-Turm vor dem Essen kommt. Bis dann nach weiteren 2 Minuten die Mutter auf einmal unter dem Kinderzimmer- Türrahmen stand und meinte: „Aber jetzt dalli! Aufstehen und an den Tisch sonst rauscht es…!!“ Und Sie? Sie wussten, dass nun „Amadeus am Letzten“ war! Wenn ich jetzt nicht folge, dann passiert ein Unglück! Die Stimmlage der Mutter kannten Sie nämlich ganz genau. Danach war nicht mehr zu spaßen mit ihr. Hatte sie mal diese Stimmlage und Lautstärke drauf… dann mussten Sie folgen! Und genau so ist es auch beim Hund/Tier. Auch das Tier weiß ganz genau zu unterscheiden, ob der Halter nun etwas lustig meint oder ob er gar erzürnt ist wegen eines Fehlers oder Ähnlichem. Der Hund spürt genau, wie „sein“ Mensch etwas meint. Eben je nach Betonung, Klang, Tonfall und vor allem Lautstärke.

Zusammenfassung


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Sie sehen also, es spielt keine Rolle, Was Sie sagen sondern eben Wie! Machen Sie ruhig mal den Versuch und sagen Sie Coca-Cola zu Ihrem Hund! Solange Sie es so sagen, wie Sie Sitz sagen würde, wird sich Ihr Vierbeiner hinsetzen! Und was tue ich, wenn der Hund von Frankreich kommt? Ich kann doch nicht Französisch!? Auch hier kann ich Sie beruhigen. Die Sprache spielt absolut keine Rolle! Ob Sie nun aus England kommen oder Russland… die Hunde wissen sehr bald, was Sie meinen. Ich erinnere mich an einen Besuch in Schottland bei meinen Schwiegereltern. Deren Nachbarn hatten einen wunderbaren Hund, mit dem ich noch so gerne Spazieren ging. Die schottischen Besitzer wunderten sich sehr bald „….wieso denn den Hund dem Schweizer mit seinem Kauderwelsch so sehr gehorcht“? Ich erklärte ihnen die Sachlage und auch sie begriffen sehr bald, dass es eben auf das Wie ankommt! Wichtig bei allen Worten und Gesten ist, dass diese klar und deutlich sind. Worte mit den Endungen i,o,u,e—etc. kann der Hund besonders gut unterscheiden. Machen Sie es sich und dem Hund so einfach wie möglich. Lassen Sie sich nicht von anderen Hundehaltern „konfus“ machen und machen Sie es so, wie es für Sie am einfachsten ist. Schlussendlich müssen Sie und Ihr Hund zusammenleben und zusammen auskommen und nicht die anderen! Auch ein Problem, das ich immer wieder beobachte. –Die andern— Zu oft getrauen sich Halter nicht, auf offener Strasse mit Ihrem Hund zu üben/schimpfen. Wieso? Weil eben –die anderen—ja lachen oder sich fragen könnten, ob Sie es nicht können… Das fällt mir auch auf, wenn ich mit –Patienten—unterwegs bin. Es besteht immer eine gewisse Hemmung, auf der Strasse seinen Hund zu erziehen. Die anderen Menschen und oder Hundebesitzer könnten ja denken, dass ich es nicht kann…

Das ist so etwas von falsch gedacht! Glauben Sie mir wenn ich sage, dass ich sehr, sehr viele positive Echos von –den anderen—erhalte. Menschen die sagen, dass es gut und an der Zeit ist, dass sich Hundebesitzer weiterbilden oder Hilfe vom Experten holen! Dazu kommt noch ein Rat von meiner Seite: Bitte, lassen Sie sich nicht einschüchtern. Nur die, die selbst nichts von Hunde verstehen, lachen andere aus! Leider ist auch eine Tatsache, dass in vielen Hundevereinen solches Tun an der Tagesordnung ist. Darum wohl auch mein abschließendes Zitat:

„Tatsache ist leider, dass in den meisten Hundesportvereinen nicht der Hund an erster Stelle steht sondern der Mensch, der alles am besten & besser können will. Hunde sind da leider Gottes zweit- wenn nicht gar drittrangig“ ©swi05

Ich wünsche Ihnen und Ihrem Hund, dass Sie sich ab Heute besser „verstehen“! Geben Sie sich Mühe sowie Zeit und Ihr Hund wird es Ihnen wieder einmal mit Cleverness und Liebe hundertfach zurückzahlen!

Alles Gute!