Der Anatolische Hirtenhund – ein kraftvoller und muskulöser Wachhund

Unter den anatolischen Hirtenhunden gibt es vier unterschiedliche Schläge


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Ein anatolischer Hirtenhund vom Schlag Kangal.Den Anatolischen Hirtenhund – türkisch Çoban Köpe?i – an sich gibt es nicht, vielmehr fasst der größte kynologische Dachverband, die Fédération Cynologique Internationale (kurz FCI), die verschiedenen Hirtenhund-Typen Akba?, Kangal, Karaba? und Kars-Hund zusammen. Sie unterscheiden sich nur minimal in ihrem Aussehen. Wer mit dem Gedanken spielt, sich einen Anatolischen Hirtenhund zuzulegen, der sollte nicht nur wissen, dass einer der 4 Schläge zu den Listenhunden zählt, sondern sich auch dessen bewusst sein, dass diese Hunde enorm viel Bewegung sowie Aufgaben brauchen.

Geschichte und Herkunft

    Steckbrief Anatolischer Hirtenhund

  • Ursprungsland: Türkei
  • Standardnummer: 331
  • Widerristhöhe: Rüden: 74-81 cm, Hündinnen: 71-79 cm
  • Gewicht: 40–65 kg
  • Verwendung: Hütehund
  • FCI-Gruppe 2: Pinscher und Schnauzer – Molosser – Schweizer Sennenhunde und andere Rassen
  • Sektion 2.2: Molossoide, Berghunde. Ohne Arbeitsprüfung

Aufgrund einiger Abbildungen unterschiedlicher Skulpturen, nimmt man an, dass diese Rasse von den großen, doggenartigen Jagdhunden Mesopotamiens abstammt, welche eventuell mit Windhunden gekreuzt wurden. Zu dieser Annahme gesellen sich weitere unterschiedliche Theorien bezüglich der ursprünglichen Herkunft. Eine erste sichere Schilderung eines dem heutigen Anatolischen Hirtenhund ähnlichen Hundes befindet sich in einem Buch aus dem Jahre 1592. Es berichtet von einer Reise durch die Türkei, wobei der Hund unter der Bezeichnung „Schwarzkopf“ lief.
Unumstritten ist, dass sich die Rasse im Laufe der Jahrhunderte ideal an die Gegebenheiten anpassen konnte: Entsprechend dem Nomaden- und Hirtenleben können sie enorm große Distanzen problemlos zurücklegen und sich sowohl den trockenen, heißen Sommern als auch den extrem kalten Wintern ihrer Heimat anpassen. Noch heute leben diese Hunde fast ausschließlich im Freien und finden ihren Arbeitseinsatz unabhängig von Wind und Wetter auf den zahlreichen anatolischen Plateaus. In der Türkei ist der Kangal, einer der 4 Typen des Anatolischen Hirtenhundes, so zu einer Art „Nationalhund“ geworden. Es ist sogar verboten, diese Rasse an nicht türkische Bürger weiterzugeben, ferner findet sein Abbild offiziellen Platz auf einer Briefmarke. Bei uns in Deutschland sind hauptsächlich die Schläge des Kangal sowie des Karaba? in Züchtungen vertreten.

Erscheinungsbild

Beim FCI wird der Anatolische Hirtenhund in die Gruppe 2 – Pinscher und Schnauzer/Molossoide und Schweizer Sennenhund – sowie in die Sektion 2.2 – Molossoide, Berghunde – klassifiziert. Dabei erhielt er die Standardnummer 331. Dieser aus Anatolien in der Türkei stammende Herdenschutzhund erreicht eine maximale Widerristhöhe von 86 cm beim Rüden sowie einer minimalen Höhe von 71 cm bei der Hündin und ein Gewicht von etwa 40 bis 55, maximal 68 kg. Aber auch wesentlich größere Hunde sind zu finden. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 10 bis 11 Jahren. Dieser Rassehund mit seinem eindrucksvollen Aussehen wirkt kraftvoll und muskulös. Er besitzt einen relativ großen, breiten Schädel mit dreieckigen, mittelgroßen Ohren, die eine runde Spitze haben. Die weit auseinanderliegenden Augen sind verhältnismäßig klein. Das meist glänzende, kurze oder auch halblange, dichte und anliegende Deckhaar – das im Winter länger ist als im Sommer – mit dem Fellkragen ist in nahezu allen Farben vertreten. Dabei ist Falb mit einer schwarzen Maske, schwarzen Ohren sowie einem Kajal-Strich favorisiert. Der Akba? – auch „Weißkopf“ genannt – besitzt hingegen keine schwarze Gesichtsmaske. Verwendung finden die Anatolischen Hirtenhunde sowohl als Hirtenhunde als auch als Herdenschutz-, Schutz-, Wach- aber auch Kampfhunde. Fachleute sind sich nicht ganz einig, ob die verschiedenen Typen dieser Rasse aus unterschiedlichen Schlägen oder aber als klassisch abzugrenzende Gruppen anzusehen sind. Hier eine Kurzbeschreibung der vier Rassetypen:

  1. Der Akba – Akba bedeutet so viel wie „Weißkopf“, was nicht nur auf die Farbe seines Haarkleides hindeutet sondern auch noch darauf, dass keine schwarze Maske vorhanden ist. Man vermutet eine enge Verwandtschaft mit dem ungarischen Hirtenhund, dem Kuvasz. Dieser Typ wurde anfänglich sowohl als Herdenschutzhund als auch als Jagdhund gebraucht. Er ist hochläufiger sowie leichter als der Kangal und der Karaba, dabei kann er sowohl langhaarig als auch stockhaarig sein. In der Türkei werden Hunde dieses Typs unter der Bezeichnung „Akba? Çoban Köpe?i“ als eigenständige Rasse geführt. Genetisch gesehen unterscheiden sie sich vom Kangal.
  2. Der Kangal – Der Name dieses Schlages ist von der herrschaftlichen Familie Kangal aus dem gleichnamigen Distrikt im Anti-Taurus – dem Alada?lar – abzuleiten, die auch heute noch einflussreiche Leute sind und die Zucht, allerdings ohne Zuchtbuch, Jahrhunderte lang betrieben. Da der Kangal seinen Ursprung aus genau jener einzigen Familie hat, gilt er als reinrassig. Vom Karaba? unterscheidet er sich nur minimal. Im Gegensatz zum Akba? ist sein Fell graubraun. In seiner Heimat, der Türkei, erfreut sich dieser Schlag eines hohen Ansehens. So ist sein Abbild gleich auf zwei Briefmarken verewigt und die Ausfuhr dieses Hundes durch Nicht-Türken untersagt. Die Zucht der Kangal wird in Deutschland zumeist von türkischen Immigranten betrieben.
  3. Der Karaba – Karaba bedeutet so viel wie „Schwarzkopf“, was auf sein Aussehen schließen lässt: Ein völlig schwarzer Kopf ist das Idealbild dieses Typs. Er wurde vom türkischen Heer auch als Kampfhund eingesetzt.
  4. Der Kars-Hund – Der weniger bekannte Kars-Hund, auch „Kafkas”, was übersetzt Kaukase bedeutet, kommt außerhalb seiner Heimat – dem Nordosten der Türkei – so gut wie gar nicht vor. Seinen Namen erhielt er von eben diesem Verbreitungsgebiet. Erstmals beschrieben wurde er Ende des 20. Jahrhunderts. Auch er wird in der Türkei als eigene Rasse anerkannt.

Allen Schlägen gemein ist die große Geschwindigkeit, die diese Hunde an den Tag legen können, welche durchaus auch über einen sehr langen Zeitraum beibehalten werden kann.

Wesen/Charakter des Anatolischen Hirtenhund


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Anatalische Hirtenhunde sind sehr wachsam und brauchen eine konsequente Erziehung.Anatolische Hirtenhunde gelten als mutig, ausdauernd, stolz, sehr intelligent, ausgeglichen, ruhig, schnell und wendig. Fremden gegenüber reagieren sie eher misstrauisch und wachsam, dem Besitzer gegenüber jedoch fühlen sie sich sehr verbunden. Wie es sich für einen Herdenschutzhund gehört, ist er besonders bei Dunkelheit sehr wachsam und handelt extrem selbstständig. Letzteres führt jedoch dazu, dass er häufig dominant und zeitweise sogar enorm eigensinnig ist. Im Umgang mit seinen Artgenossen ist er aufgrund seines Beschützerinstinkts nicht ganz unproblematisch. Auch neigt er zu Eifersüchteleien. Das alles verlangt nach einer überaus konsequenten Erziehung, die mit einer möglichst frühen Sozialisierung beginnen sollte. Ein Anatolischer Hirtenhund gehört nicht in die Hände eines Anfängers. Entgegen seines stattlichen Erscheinungsbildes hat er ein vollkommen friedfertiges, keineswegs aggressives Wesen, was jedoch nicht heißt, dass er sich bei Angriff nicht entsprechend wehren kann.

Auslauf/Pflege

Hunde dieser Rasse sind sehr anspruchsvoll was Pflege und Auslauf anbelangt. Sie haben einen enorm großen Bewegungsdrang, daher ist genügend Auslauf in einem großen Garten neben den täglichen längeren Spaziergängen ein unbedingtes Muss. Keinesfalls gehört dieser Hund in eine Stadtwohnung. Der Anatolische Hirtenhund ist kein Familien- und Begleit-, sondern ein Herdenschutzhund und bedarf neben dem Auslauf auch verschiedener Aufgaben, da er sich ansonsten schnell zu einem Problemhund entwickeln kann. Bezüglich der Pflege ist anzumerken, dass das Fell regelmäßig gebürstet werden sollte. Während des Fellwechsels ist die Fellpflege noch intensiver zu betreiben.

Sonstiges

Der Kangal steht in einigen deutschen Bundesländern auf der Rasseliste der potentiell gefährlichen Hunde. In Hamburg kann die Rasselistenregelung mittels eines bestandenen Wesenstests außer Kraft gesetzt werden. In Hessen hingegen gilt der Hund als solange gefährlich, bis das Gegenteil amtlich bestätigt wird. Der Import ist untersagt. Auch im Kanton Tessin, in der Schweiz, ist die Haltung eines solchen Hundes bewilligungspflichtig. Ein ganz besonderes Einsatzgebiet kommt dem Anatolischen Hirtenhund in Namibia zu: Dort wird er indirekt zum Schutz der Geparden-Population eingesetzt, indem er diese davon abhalten soll, das Vieh zu reißen, was wiederum die Farmer davon abhält, die vom Aussterben bedrohten Geparden zu schießen.