Hundeblog

Hundeerziehung

Grundgehorsam ist das A & O

Was bedeutet Erziehung eigentlich genau? Laut Duden kommt der Begriff von dem althochdeutschen Wort „irziohan“, welches sich mit „herausziehen“ übersetzen lässt. Überträgt man das auf die heutige Terminologie, so kann man sagen, dass bei „Erziehung“ etwas Vorhandenes aus jemandem „herausgezogen“ werden soll. Anders ausgedrückt: Geist und Charakter sollen entsprechend weitergebildet und somit die richtige Entwicklung gefördert werden. Das wiederum bedeutet beim Hund, dass nicht nur der niedliche Welpe, sondern auch der bereits ausgewachsene Hund Hilfe bei der Sozialisierung sowie bei der Entwicklung zum Individuum erhalten kann und muss.

Selbstverständlich bestehen dennoch größere Unterschiede zwischen Mensch und Hund. So sollte beispielsweise der Mensch stets dem Tier gegenüber dominant sein. Unterordnen – was einem guten Gehorsam gleich kommt – ist das A und O in der Hundehaltung, gleichgültig, zu welchem Zweck man den Hund halten möchte.

Liebe und Konsequenz

Generell kann man sagen, dass ein Zusammenleben zwischen Hund und Mensch sich nur dann entspannt und ideal gestaltet, wenn der Besitzer liebevoll aber konsequent und der Hund gehorsam und „gut erzogen“ sind. Von beiden Seiten bedarf das der Disziplin, aber auch jeder Menge Einfühlungsvermögen sowie Zeit und Engagement.

Wer einen gut erzogenen Hund sein Eigen nennen darf, dem ist als Hundehalter das Leben enorm erleichtert. Nicht nur, dass das Gassi Gehen eine entspannte und angenehme Zeit ist, auch der Streit mit dem Nachbarn wegen des Hundes unterbleibt. Wohl erzogene Hunde kann man sowohl mit Kindern als auch mit Artgenossen getrost in Kontakt kommen lassen. Selbst die angenehmen Dinge des Lebens wie Essen Gehen in einem Restaurant oder ein Besuch bei Verwandten und Freunden gestalten sich trotz Hund als angenehme Aktionen.

Es ist nie zu spät und selten zu früh…

Auch hier kann man Vergleiche mit dem Menschen ziehen, denn generell gilt: Je eher man mit der Erziehung ( s.a. Welpenerziehung ) beginnt, desto einfacher ist es für Erzieher und Zögling. Allerdings gilt ebenfalls, dass es nie zu spät zur Erziehung ist, und dass man ( bzw. der Hund ) nie auslernt. Somit ist das Ende der Erziehung nicht wirklich ersichtlich, da es keines gibt. Allerdings werden die Schritte und Bemühungen in der Erziehung mit zunehmendem Alter, mit vermehrten Lektionen immer kleiner beziehungsweise einfacher.

Vergessen Sie die Demokratie! Diskutieren Sie nicht mit dem Hund!

Wie bereits erwähnt, gehört zur Hundehaltung die Vorabinformation über die Rasse, um sich über Wesensart und Charaktereigenschaften ebenso, wie über Haltung ausführlich informieren zu können. Als nächstes bedarf es des Grundgehorsams, denn es erleichtert nicht nur die allgemeine Handhabung des Vierbeiners, es ist zudem eine der Grundvoraussetzungen für den Gebrauch des Hundes als Jagd-, Spür-, Rettungs-, Wach- oder Begleithund. Als die wichtigsten Grundregeln sind hierbei das Bei-Fuß-Gehen ebenso wie das Sitz und Platz anzusehen. Eine Unterordnung des Hundes unter den Menschen ist dabei selbstverständlich.

Erziehung und Haltung von Hunden verlangen dem Tier wie auch dem Menschen so Allerlei ab. Zunächst einmal muss seitens des Menschen begriffen werden, dass der Hund ein Rudeltier ist und es dementsprechend Rangordnungen gibt. Überhaupt muss man sich bei der Hundeerziehung die sozialen Gegebenheiten sowie den Instinkt des Hundes zu Nutzen machen.

Hundeerziehung bedeutetet auf keinen Fall Drill, vielmehr sind Konsequenz und Liebe gefragt. Das typische Demokratiedenken muss bei der Hundeerziehung unbedingt ausgeschaltet werden, denn man kann sich vorstellen, was passiert, wenn man auch nur ansatzweise versucht, mit dem Hund zu diskutieren, wie es leider nicht allzu selten der Fall ist.

Gefahr der Vermenschlichung

Eine große Gefahr bei der so genannten „Hundeerziehung“ besteht darin, dass viele der Hundebesitzer glauben, ihrem Hund etwas Gutes zu tun, wenn sie ihn „vermenschlichen“. Das ist falsch gemeinte Tierliebe! Selbstverständlich darf und muss ein Hund am Familienleben teilhaben, dennoch muss und soll er „HUND“ bleiben. Das bedeutet, kein Essen am und vom Tisch, nicht unbedingt stets am Schoß sitzen etc.

Was die Nachhaltigkeit der Hundeerziehung anbelangt, so muss man realisieren, dass der Prozess niemals ganz abgeschlossen sein wird. Einmal Erlerntes muss stets mit dem Hund trainiert werden, um das erlernte Verhalten zu festigen.

Kindererziehung = Hundeerziehung?!

Grundlagen sämtlicher Erziehungsziele sind das Lob sowie die Belohnung. Mit übermäßiger Strenge – wobei nicht Konsequenz gemeint ist! – sowie mit Schlägen erreicht man bei der Hundeerziehung lediglich, dass man einen verängstigten sowie einen verhaltensauffälligen Hund bekommt. Geduld, permanentes Lob in Form von Worten, Gesten oder Belohnungen sind hier weitaus hilfreicher. Parallel zur Kindererziehung gilt auch hier: Positive Verstärkung und Lob!

Reden mit dem Hund – kurze Kommandos!

Generell kann man mit dem Hund auf zweierlei Weise kommunizieren: verbal und nonverbal. Beides sollte man sich bei seiner Erziehung zunütze machen. Zunächst einmal muss festgestellt werden, dass – je nach Rasse und Hund – die Fähigkeiten der Vierbeiner zu Begreifen sehr unterschiedlich sind. Intelligente Hunde – an deren Spitze der Border-Collie steht – können weit über 200 verbal geäußerte Befehle verstehen und umsetzen. Wichtig dabei ist jedoch, dass die Befehle kurz und knapp sind sowie stets die gleichen Wörter für gleiche Order benutzt werden. Der Hund kann den Sinn der gesprochenen Worte nicht verstehen, vielmehr setzt er Wörter mit erlebten bzw. vorgelebten Situationen in Verbindung. Für den Befehl „Bei Fuß!“ könnte also genauso gut „Hau ab!“ stehen, vorausgesetzt, man demonstriert dem Hund richtig, WAS zu TUN ist. Auch die Lautstärke sowie die Tonlage der Stimme sind für den Gehorsam des Hundes von großer Wichtigkeit.

Nonverbale Signale

Bei der nonverbalen Kommunikation sind Pfiffe wie auch Handzeichen die meistgebrauchten Befehle dieser Art. Auch hier ist der Border-Collie Vorzeigehund, so können beispielsweise gut ausgebildete Hunde dieser Rasse allein durch Pfiffe erkennen, was sie zu tun haben. Nach einer derartigen, langjährigen Ausbildung können diese Hütehunde über 150 Pfiffe unterscheiden und die entsprechenden Befehle ausführen. Es ist sehr sinnvoll, verbale Kommandos wie “Sitz”, “Platz” und “Komm” mit den immer gleichen Handzeichen zu unterstützen, da sich so ein Befehl dem Hund “audiovisuell” einprägt. In Situationen, in denen der Hundehalter nicht von seinem Hund gehört werden kann, z.B. bei grossem Verkahrslärm, wird der konsequent erzogene Hund alleine aufgrund des Handzeichens den Befehl befolgen.

Sowohl zur verbalen als auch der nonverbalen Kommunikation in der Hundeerziehung gehören stetiges Wiederholen sowie Konsequenz und Lob.

Leinen los!

Jeder Hund braucht und liebt die Bewegung, also auch den Spaziergang mit Herrchen. Doch nicht selten sieht man Situationen, wo man sich fragt, wer mit wem spazieren geht. Wenn man nicht möchte, dass der Hund an der Leine zerrt oder gar – wenn er frei ist – wegläuft, so bedarf es auch hier einer Erziehung, die in jedem Alter machbar ist.

Wichtig ist es, dass der Hund lernt, bei Fuß mit oder ohne Leine zu gehen, aber auch den Freiraum beim Laufen ohne Anleinen nicht auszunutzen. Dabei ist es ausschlaggebend, welche Form der Leine beziehungsweise des Gesamtgeschirrs zum Einsatz kommen. Im Handel erhältlich sind Brust- Standard- sowie Kopfgeschirre. Das Brustgeschirr ist das bekannteste, handelt es sich hierbei doch um ein schlichtes Halsband mit entsprechender Leine. Dabei wird die Leine um die Brust des Hundes gelegt und die Leine an der am Rücken befindlichen Leinenschlaufe eingeklinkt. Das Standardgeschirr besteht aus einer Schlaufe um die Brust ohne Halsband. Es schont die Luftröhre beim Anziehen im Falle eines Weglaufens. Das Kopfgeschirr wird um Schnauze sowie Hals gelegt, was bedeutet, dass die Hundeführung über den Kopf – genauer über den Unterkiefer – geschieht. Welches Geschirr für welchen Hund das richtige ist, darüber sollte man sich bei Fachleuten ausgiebig informieren.

Generell sollen Hunde angeleint werden, was bedeutet, dass idealerweise ein Ziehen an der Leine vermieden werden soll. Dieses ist eine reine Trainingsfrage, wobei man die Leine von kurz bis lang in sämtlichen Varianten halten sollte. Leinenführung bedeutet gleichzeitiges Üben von Fuß, Sitz und Platz. Gelingt es, ein gutes Bei-Fuß-Gehen an der Leine zu erreichen, so kann man es anschließend auch ohne Leine probieren. Das Üben dieser Dinge sollte schrittweise geschehen: Täglich mehrmals hintereinander über einen kurzen Zeitraum. Konsequentes Wiederholen ist selbstverständlich. Dabei darf man nicht verzweifeln, wenn es bei dem einen oder anderen Hund etwas länger dauert, denn auch Hunde lernen unterschiedlich schnell.

Wenn der Hund dann in der Lage ist, auch ohne Leine zu laufen ohne abzuhauen, dann kann man mit ihm trainieren, nur dorthin zu gehen, wo es sein Besitzer will. Achtung bei Jagdhunden! Hier bedarf es einer ganz speziellen Erziehung, denn der Jagdinstinkt lässt ihn Spuren suchen und verfolgen.

Sollte der Hund einmal tatsächlich weggelaufen sein, so gilt stets: Nie dem Hund nachlaufen, der Hund muss zum Besitzer zurück kommen. Wenn der Hund dann kommt, muss er gelobt werden, auch wenn man ihn eigentlich lieber für das Weglaufen tadeln würde. Der Hund kommt wieder, also muss er positiv verstärkt werden. Nur so lernt er, dass er zurück kommen soll. Um ihn problemlos nach dem Weglaufen wieder an die Leine zu bekommen ist es wichtig, dass man die Reihenfolge Anfassen ( also Streicheln) – Belohnungsleckerli – Lob einhält.

Sitz! Platz! Bleib!

Zu beachten ist, dass der Hund in genau der oben angegebenen Reihenfolge die Befehle erhält. Zunächst einmal muss er sitzen, um anschließend Platz nehmen zu können. Den Befehl „Bleib!“ kann man dann sowohl in sitzender Positur als auch in liegender (also beim Platz) aussprechen.

Wie aber kommt man dahin? Zunächst einmal muss der Hund an der straffen kurzen Leine geführt werden. Neben sich sollte man ein Leckerli halten, das der Hund sieht. Seine Konzentration richtet sich auf die Belohnung, und somit kommt er in sitzende Position. Genau in dem Moment, wo der Hund sich setzt, sollte der Befehl „Sitz!“ ausgesprochen werden. Später sollte das „Bleib!“ geübt werden. Auch hierzu bleibt der Hund an der – allerdings etwas länger gelassenen – Leine. Auch hier muss am besten mit Leckerlis gearbeitet werden. Zum „Platz!“ empfiehlt es sich, die nach unten gehende Hand als zusätzlichen, nonverbalen Befehl zu benutzen.

Wichtig ist in jedem Fall, nicht mehr als 15 Minuten am Stück sowie täglich – möglichst mehrmals – zu üben.

Bello bellt, wenn ich es will

Permanent bellende Hunde sind nicht nur für Nachbarn ein Gräuel, auch als Besitzer kann einem das ganz schön auf die Nerven gehen. Dennoch gibt es Situationen, in denen der Hund ruhig bellen darf und soll. Aber Bellen auf Kommando muss erzogen, beziehungsweise trainiert werden. Dazu kann man beispielsweise den Hund mit seinem Lieblingsspielzeug so lange reizen, bis dieser bellt, weil er es ja haben will. Genau in diesem Moment sollte das Kommando „Bell!“ oder „Gib Laut!“ gefolgt von einem Leckerli kommen. Andersherum muss dann im späteren Verlauf das Kommando „Aus!“ oder „Still!“ erfolgen, wenn der Hund sein Bellen einstellen soll: Beim Bellen Befehl mit anschließender Belohnung aussprechen. Sollte er nicht aufhören zu bellen, so bekommt er sein Spielzeug – also die Belohnung – weggenommen.

Spielstunde

Je nach Zeit und Ausdauer des Besitzers sowie Intelligenz und Wesen des Hundes gibt es noch zahlreiche weitere Dinge, die der treueste Freund des Menschen mittels Erziehung lernen kann. Dinge wie Pfote geben, eine bestimmte Richtung einschlagen, Tiere zusammen halten, ein Spielzeug hergeben, über etwas zu springen etc., all dieses kann der Hund mithilfe des Belohnungsprinzips lernen. Wichtig ist – wie bereits mehrfach erwähnt – stetes Üben, kurze, gleichbleibende Kommandos sowie Liebe und Geduld. Wenn derartige „Spielregeln“ befolgt werden, so können Besitzer wie auch Hunde gleichermaßen Spaß an dieser lehrreichen Form des „Spiels“ haben.

Abitur für den Hund

Grundsätzlich ist nichts gegen Hundeschulen und ähnliches einzuwenden, jedoch kann auch jeder Besitzer selber und alleine seinen Vierbeiner erziehen. Die Frage, ob man die Erziehung seines Hundes mithilfe eines Vereins oder einer Hundeschule übernehmen will, kann sich jeder Hundebesitzer am besten selber beantworten.

Für eine Hundeschule oder einen Verein spricht die Tatsache, dass man unter fachmännischer Anleitung die ganze Prozedur vornehmen kann. Hinzu kommt, dass die Hunde im natürlichen Rudel laufen, was der Sozialisation zugute kommt. Was dagegen sprechen könnte, sind die terminlichen Verpflichtungen, denn bestimmte Übungszeiten sind genau vorgegeben. Anders könnte man mit seinem Liebling genau das üben, wenn es Hund und Besitzer wollen. Allerdings muss dieses sowieso parallel zur professionellen Erziehung laufen, denn wie bereits mehrfach erwähnt: Ständiges Training ist das A und O in der Hundeerziehung. Mancher frischgebackene Hundebesitzer möchte sich auch mal eine Auszeit von der Erziehung seines Lieblings gönnen. Inzwischen gibt es in vielen Städten Hundesitter, die Ihren Liebling zeitweise betreuen können.

Der Problemhund

Der Hund an sich ist nie Problemindividuum, vielmehr trägt der Mensch immer wieder dazu bei, ihn, ob wissentlich oder unwissentlich, den Vierbeiner zu eben diesem Problemhund zu machen. So geraten beispielsweise zu früh von der Mutter genommene Welpen oder aber überzüchtete Hunde rasch in die Schiene der „verhaltensauffälligen“ Hunde. Im ersten Fall fehlt die Frühsozialisierung, im zweiten bestehen genetische Veränderungen… weiter lesen

Hundetherapie

Stefan K. Wittlin ist Autor, Hundetherapeuth und Kynologe. Er schrieb zahlreiche Bücher über Erziehung, Haltung und Psyche von Hunden. Ein zentrales Thema in seinen Veröffentlichungen ist auch immer die Psyche des Hundes in Interaktion mit der Psyche des Menschen. Hier können Sie einige Info-Blätter des Hundetherapeuten Stefan K. Wittlin – Lewis zum Thema Erziehung, Haltung, Psyche und Kommunikation lesen… weiter lesen

Welpenerziehung

Eine liebevolle und konsequente Erziehung der Hundewelpen ist der Grundstein für einen prachtvollen erwachsenen Vierbeiner. Es ist erstaunlich, was der junge Hund in seinen ersten Lebenswochen (Sozialisationsphase) alles lernen kann. Aber auch der Besitzer des Welpen muss sich mit dem natürlichen Verhalten seines Hundes vertraut machen und seinem kleinen Freund durch eindeutige Signale zu erkennen geben, was erwünscht ist und welche Verhaltensweisen im Zusammenleben mit Mensch und anderen Hunden nicht möglich sind… weiter lesen

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