Der Puli – Der Schnüren- und Bänderhund

Wegen seines langen Fellkleids hat der Puli ein eher wasserscheues Wesen


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Die Hunderasse des Puli hat aller Wahrscheinlichkeit nach ihren Ursprung in Ungarn

Der Puli ist in Deutschland noch nicht allzu bekannt: Der erste deutsche Puli Club wurde erst 1989 gegründet.

Der Puli – die ungarische Bezeichnung für „Führer“ – ist eine bei uns noch nicht allzu bekannte Hunderasse mit einer langen Geschichte. Seinen Ursprung findet er laut den meisten Quellen in Ungarn. Andere sprechen davon, dass er seine Heimat in Tibet sowie in Nordindien hat. Erstmalig in der Literatur wurde er 1751 erwähnt. Augenfällig bei ihm ist seine üppige Haarpracht. Häufig wird er als ein möglicher Vorfahre des Pudels benannt.

Geschichte und Herkunft des Pulis

Steckbrief Puli

  • Ursprungsland: Ungarn
  • Standardnummer: 55
  • Widerristhöhe (von FCI festgelegt): Rüden 39 – 45 cm, Hündinnen 36 – 42 cm
  • Gewicht (von FCI festgelegt): Rüden 13 bis 15 kg, Hündinnen 10 – 13 kg
  • Verwendung: Gesellschaftshund
  • FCI-Gruppe 1: Hütehunde und Treibhunde (ausgenommen Schweizer Sennenhunde)
  • Sektion 1: Schäferhunde. Ohne Arbeitsprüfung.

Bei Ausgrabungen in Mesopotamien fand man rund 4.000 Jahre alte Amulette, auf denen Hunde abgebildet sind, die den heutigen Pulis ähneln. Im 9. Jahrhundert besiedelten die Magyaren das Karpatenbecken im heutigen Ungarn und brachten bereits erste Ahnen dieser Hunde mit ins Land.

Über tausend Jahre lang waren die Hunde Begleiter der dortigen Schäfer. Die Zahl der Vorfahren des Pulis dezimierte sich jedoch erheblich, als die Osmanen im 16. Jahrhundert Ungarn eroberten. Die Habsburger, die wenig später einfielen, verboten sogar die Zucht eigener ungarischer Hunderassen.

Erst 1867 legalisierte man die Züchtung und und 1915 bemühte sich ein ungarischer Forscher um die Anerkennung durch die FCI, die endgültig 1954 erfolgte. Erst 1989 kam es zur Gründung des Deutschen Puli Rasseclubs.

Video zur Rasse des Pulis

Puli [2019] Rasse, Aussehen & Charakter

Erscheinungsbild des Pulis

Der Puli hat die FCI-Standardnummer 55 zugeteilt bekommen und gehört der Gruppe 1, Hüte- und Treibhunde, sowie der Sektion 1, Schäferhunde, an. Mit einer von der FCI festgelegten Widerristhöhe von 39 – 45 Zentimeter beim Rüden und 36 – 42 Zentimeter bei der Hündin zählt der Puli zu den kleineren Hunden.

Laut Rassestandard sollte er je nach Geschlecht ein Gewicht zwischen 10 und 15 Kilogramm auf die Waage bringen. Dabei erreicht er ein Alter von 12 bis 16 Jahren.

Das wasserdichte Haarkleid ist schwarz, perlweiß oder falbfarben, was eine fahlgelbe bis hellgraubraune Fellfarbe bezeichnet. Das Fell schwarzer Hunde kann Nuancen von rostroten oder auch grauen Farbtönen aufweisen, während der falbfarbene Puli eine deutliche schwarze Maske besitzen sollte.

Das Fell ist sehr auffällig: die Haarpracht hängt in runden Schnüren bis zum Boden herab. Sie bildet sich im Laufe der ersten zwei Lebensjahre, nachdem das flauschige Welpen-Haarkleid abgelegt wurde und die feine Unterwolle mit dem gröberen Deckhaar stark verfilzt.

Im Lauf der Zeit wächst das Fell nur langsam nach; es wird also nicht ausgetauscht. Mit diesem Haarkleid kann der Puli seine Körpertemperatur perfekt regulieren. Leider kann das Fell wegen der verbleibenden, abgestorbenen Unterwolle bei Nässe aber sehr stark riechen.

Typisch für das Aussehen des Pulis ist, dass die Schnüre seine Augen bedecken, was manchmal sein Sichtfeld stark behindert. Der Hund hat Schlappohren und wunderschöne, dunkle, mandelförmige Augen. Seine dicht behaarte Rute trägt er aufgerollt.

Wesen und Charakter des Pulis


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Der Puli verteidigt sein Rudel und Areal entschlossen.

Pulis sind auch gute Wachhunde: Sie eignen sich auch als Hütehunde für Kleintiere sowie Schweine und Geflügel.

Diese Hunderasse hat noch viel von ihrer Ursprünglichkeit bewahren können. Der Puli gilt als sehr intelligenter, extrem lernfreudiger, anpassungsfähiger, temperamentvoller und wachsamer Hund. Ferner werden ihm Eigenschaften wie Selbstständigkeit, Ausdauer, Beweglichkeit, Dominanz, Treue, Willensstärke, Mut und Anhänglichkeit nachgesagt. Er arbeitet gerne hart und ausdauernd.

Sein Rudel sowie sein Territorium verteidigt er laut bellend und entschlossen. Fremden, sowohl Menschen als auch Hunden gegenüber ist er eher misstrauisch. Gerne werden Pulis als Hütehunde für Kleintiere, Schweine und Geflügel eingesetzt, dabei sind sie durchaus in der Lage, Herden von bis zu hundert Tieren zu hüten.

Um die Herdentiere zusammen zu treiben, fixiert sie der Hund mit den Augen, verbellt sie, oder zwickt ihnen in die Fersen. Dabei kann ihre Bellfreudigkeit durchaus sehr nervig sein.

Aber auch innerhalb der Familie erweist er sich als treuer Begleiter, der versucht, sein „Rudel“ stets zusammenzuhalten. Sein Grundstück bewacht er mit Argusaugen. Wie bei den meisten Hunden, sollte auch beim Puli die Hundeerziehung in liebevoller Konsequenz stattfinden.

Auslauf und Pflege des Pulis

Pulis benötigen viel Auslauf und dürfen keinesfalls in Zwingern gehalten werden. Hat dieser lauffreudige Hund genügend Bewegung, so kann man ihn durchaus auch in einer kleineren Wohnung halten. Der Puli kann stundenlang vor sich hindösen aber auch wie wild herumtoben. Auch für den Hundesport sowie für die Begleitung beim Joggen etc. ist der Puli bedingt geeignet.

Pulis gelten als eine sehr gesunde Rasse. Damit dies so bleibt, achten Züchter wegen der geringen Verbreitung und des damit verbundenen kleinen Genpools ganz besonders auf Vorsorgeuntersuchungen, z.B. ob eine Disposition zur Hüftgelenksdysplasie besteht.

Die Fellpflege ist aufwändig. Um sein typisches Aussehen zu erhalten, darf der Puli nicht gekämmt oder gebürstet werden. Vielmehr muss man den Hund „zotten“.

Darunter versteht man, dass die Haarspitzen auseinandergezogen werden. So entsteht das charakteristische Schnüren- oder Bänderhaar. Pulis sind allgemein wasserscheu, was auch daran liegt, dass sich das bodenlange Fellkleid schnell mit Wasser vollsaugt und den Hund beim Schwimmen behindert.

Man darf diese Hunde daher nur so wenig wie möglich und nur mit klarem Wasser, aber nicht während der kalten Jahreszeit, waschen. Bis das Fell wieder richtig durchgetrocknet ist, kann es mehrere Tage dauern. Bei Verschmutzung, wie etwa bei Durchfall etc., reicht ein stellenweises Abwaschen durchaus.

Wer sich für einen Puli entscheidet, der sollte im Vorfeld wissen, dass dieser Hund aufgrund seines langen, üppigen Felles enorm viel Dreck ins Haus trägt. Manche Besitzer scheren ihren Puli entgegen den Rassestandards.

Das sollte in der Regel jedoch nur dann geschehen, wenn das Fell beispielsweise bei älteren Tieren zu einer Last wird und sie in der Bewegungsfreiheit einschränkt, oder aber, wenn das Weibchen nach dem Wurf ihr Fellkleid sowieso abwirft.

Damit er beim Sehen nicht behindert wird, bindet man dem Hund oberhalb der Augen am besten die Haare zusammen.

Puli in Not

Der Puli ist eine in Deutschland recht wenig verbreitete Hunderasse. So passiert es glücklicherweise auch eher selten, dass ein Puli in Not gerät. Neben einer ausreichenden Beschäftigung mit dem Hund ist aber auch die Fellpflege beim Puli eine wesentlicher Punkt, der nicht zu unterschätzen ist. In der Regel weiß ein Mensch, der sich einen Puli anschaffen will, aber über diese Anforderungen Bescheid.

So liegt die Ursache dafür, dass Pulis im Tierheim abgeliefert werden, vielmehr in sich ändernden Lebensumständen des Hundehalters oder seiner Familie, die sich nur schwer mit der weiteren Haltung des Hundes vereinbaren lassen. Wer sich einen Welpen kaufen will, sollte dennoch auch vorher im Tierheim vorbeischauen, allerdings ist hier die Chance wesentlich größer, auf einen Mischlingswelpen zu treffen, der ein Zuhause sucht. Doch manchmal sind es auch gerade die Mischlinge, die einen besonderen Charme besitzen.